Die Immunhistochemie (IHC) ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil der modernen Pathologie von Schilddrüse und Nebenschilddrüse geworden und dient als wichtige Ergänzung zur histomorphologischen Beurteilung. Ihr Einsatz ist besonders relevant bei kleinen Biopsien, Metastasenabklärung und Fällen mit überlappenden oder limitierten architektonischen Merkmalen. Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenneoplasien stellen einen erheblichen Anteil der endokrinen Tumoren dar, die in der Routine-Surgical-Pathologie-Praxis in dieser anatomischen Region angetroffen werden.
Der Einsatz von CE-gekennzeichneten, in-vitro-diagnostischen (IVD)-validierten Primärantikörpern bietet einen regulierten Rahmen für den Nachweis linienassoziierter und differenzierungsbezogener Proteine in formalinfixiertem, paraffineingebettetem (FFPE) Gewebe. Bei Implementierung in laborvalidierten Workflows und Interpretation zusammen mit geeigneten Kontrollen unterstützen diese Reagenzien standardisierte analytische Leistung und klinisch bedeutsame Interpretation. Wie bei allen IVD-Reagenzien bleibt die labor-spezifische Verifizierung und kontextuelle Interpretation essenziell.
Wichtige immunhistochemische Marker in Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenpathologie
Schilddrüsenlinie und Differenzierung
Thyroglobulin (Tg)
Thyroglobulin wird breit als Marker differenzierter Schilddrüsenfollikelepithelien eingesetzt und ist hilfreich zur Unterstützung der Schilddrüsenherkunft bei primären und metastatischen Läsionen. Die Expression kann bei schlecht differenzierten oder dedifferenzierten Schilddrüsenkarzinomen reduziert, fokal oder fehlend sein; die Interpretation sollte mögliche technische und kontextuelle Limitationen berücksichtigen.
PAX8
PAX8 ist ein nukleärer Transkriptionsfaktor, der in Schilddrüsenfollikelzellen exprimiert wird und nützlich ist, um die Schilddrüsenlinie zu unterstützen – insbesondere bei Tumoren mit verminderter oder fehlender Thyroglobulin-Expression. Die Interpretation erfordert das Bewusstsein, dass PAX8-Expression nicht spezifisch für Schilddrüsengewebe ist und auch in ausgewählten nicht-thyroidalen epithelialen Neoplasien beobachtet werden kann.
Medulläres Schilddrüsenkarzinom
Calcitonin
Calcitonin ist der Hauptmarker der parafolikulären C-Zell-Differenzierung und zentral für die Diagnose des medullären Schilddrüsenkarzinoms in den meisten Fällen. Während es in typischen primären und metastatischen Situationen hohe diagnostische Nützlichkeit zeigt, wurden seltene calcitonin-negative Tumoren beschrieben; Ergebnisse sollten daher immer mit Morphologie, klinischen Befunden und ggf. zusätzlichen ergänzenden Untersuchungen interpretiert werden.
Follikel-abgeleitete Schilddrüsenläsionen: benigne und maligne
Galectin-3
Galectin-3 gehört zu den am intensivsten untersuchten immunhistochemischen Markern in der Schilddrüsenpathologie und wird häufiger in malignen follikel-abgeleiteten Tumoren als in benignen Knoten exprimiert. Dennoch kann Expression auch bei bestimmten benignen oder entzündlichen Schilddrüsenerkrankungen beobachtet werden. Sein diagnostischer Wert ist daher am größten, wenn er als Teil eines multiparametrischen immunhistochemischen Panels und nicht als Einzelmarker eingesetzt wird.
Nebenschilddrüsen-Differenzierung
Parathormon (PTH)
Parathormon ist ein Schlüsselmarker zur Bestätigung der Nebenschilddrüsenherkunft und besonders nützlich in der Differenzialdiagnose zwischen Nebenschilddrüsen- und Schilddrüsenläsionen mit überlappenden histologischen Merkmalen. Es unterstützt die Linienbestätigung bei Nebenschilddrüsenadenomen, -karzinomen sowie ektopem oder intrathyreoidalem Nebenschilddrüsengewebe; Interpretation erfolgt in Korrelation mit Morphologie und klinischen Befunden.
Überlegungen zu CE-gekennzeichneten / IVD-validierten Primärantikörpern
- Bestimmt für den klinisch-diagnostischen Einsatz gemäß EU-In-vitro-Diagnostik-Verordnung (IVDR 2017/746).
- Unterstützung standardisierter analytischer Leistung zur Linienbestätigung und Tumor-Klassifikation in Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenpathologie.
- Erleichterung panelbasierter diagnostischer Ansätze, konsistent mit publizierter Pathologie-Literatur und Praxisempfehlungen.
- Erfordern labor-spezifische Verifizierung, geeignete Kontrollen und Interpretation im vollständigen klinisch-pathologischen Kontext – unabhängig vom regulatorischen Status.

