Agarose ist ein gereinigtes lineares Galactan-Polysaccharid, das aus Agar gewonnen wird, das aus roten Meeresalgen (Rhodophyta-Arten wie Gracilaria und Gelidium) extrahiert wird. Es ist weithin für seine Fähigkeit bekannt, thermoreversible Gele zu bilden, die in der Molekularbiologie und Biotechnologie essenziell sind.
Molekulare Struktur
Agarose besteht aus wiederholenden Agarobiose-Disaccharid-Einheiten, die aus D-Galactose β-(1→4)-verknüpft mit 3,6-Anhydro-L-Galactopyranose α-(1→3) bestehen und ungeladene lineare Polymerketten von etwa 800 Galactose-Resten bilden, was einem durchschnittlichen Molekulargewicht von etwa 120 kDa entspricht. Die Anwesenheit der 3,6-Anhydro-Brücke verleiht dem Polymer-Rückgrat konformationelle Starrheit und fördert die Bildung von Doppelhelices, die sich durch ausgedehnte Wasserstoffbrückenbindungen zu quasi-starren Fasern mit Durchmessern von 20–30 nm aggregieren.
Gelbildung und physikochemische Eigenschaften
Wenn Agarose in kochendem Wasser bei Konzentrationen von typischerweise 1 bis 3 % (w/v) gelöst wird, durchläuft sie beim Abkühlen einen reversiblen Sol-Gel-Übergang und bildet ein dreidimensionales Hydrogel-Netzwerk mit Porengrößen zwischen 50 und 200 nm, die umgekehrt mit der Polymerkonzentration korrelieren. Die Gelstabilisierung erfolgt hauptsächlich durch intermolekulare Helix-Wasserstoffbrückenbindungen. Agarose-Gele zeigen thermische Hysterese, schmelzen bei Temperaturen über 80–95 °C und erstarren bei 35–45 °C. Sie zeichnen sich durch hohe optische Klarheit, niedrige Elektroendosmose (EEO < 0,1 %) und minimalen Sulfatgehalt (< 0,2 %) aus, Parameter, die direkt die Reinheit und die elektrophoretische Siebungsleistung beeinflussen. Darüber hinaus ist Agarose im pH-Bereich von 4–9 stabil, verträgt Autoklavieren und weist eine ausgezeichnete Biokompatibilität ohne nachweisbare Immunogenität auf.
Biomedizinische Anwendungen
Agarose-Hydrogele werden umfassend als inerte Matrizen für die Zellverkapselung in der Gewebeingenieurtechnik, als diffusionskontrollierte Depots für die Wirkstofffreisetzung und als strukturelle Komponenten von Bioinks für das dreidimensionale Bioprinting verwendet. Ihre mechanischen Eigenschaften können in einem breiten Bereich (ca. 0,1–100 kPa) eingestellt werden und sie zeigen scherentzähmendes Verhalten, das für extrusionbasierte Fertigungstechniken günstig ist. Chemisch modifizierte Derivate wie methacryliertes Agarose ermöglichen die Photovernetzung und die Erzeugung mechanisch stabiler Gerüste, die spezialisierte zelluläre Prozesse unterstützen, einschließlich chondrogener Differenzierung und Neuralzellkultur.

