Blutgruppe H Tetrasaccharid

Blutgruppe H Tetrasaccharid

Blutgruppen-H-Tetrasaccharid ist eine wichtige Glykanstruktur, auch als Typ-2-H-Antigen bezeichnet. Es weist eine verzweigte Oligosaccharidsequenz auf: Fucα1-2Galβ1-4GlcNAcβ1-3Galβ1-, mit einer ungefähren Molekülformel von C₂₄H₄₂O₂₁ für die Kern-Tetrasaccharid-Einheit. Diese Struktur dient als essenzieller Vorläufer für die A- und B-Blutgruppenantigene, die durch die Addition von α-L-Fucose an das terminale Galactose durch spezifische Fucosyltransferasen entstehen.

Biologische Quellen und Vorkommen

Das H-Tetrasaccharid wird prominent auf der Oberfläche roter Blutkörperchen bei Personen mit Blutgruppe O exprimiert und fungiert als Vorläufer in den A-, B- und AB-Phänotypen. Es kommt auch in Körpersekreten und verschiedenen Geweben vor, durch seine Präsenz in N- und O-gebundenen Glykanen. Bemerkenswerterweise erkennen und binden mehrere Stämme von Noroviren dieses Glykan als Rezeptor, wobei kristallographische Studien komplexe Wasserstoffbrückenbindungen in der viralen P-Domäne aufdecken, die spezifisch Fucose- und Galactose-Reste erkennen.

Biosynthese und Metabolismus

Die Biosynthese des Blutgruppen-H-Tetrasaccharids umfasst sequentielle Glycosyltransferase-Aktivitäten. Zuerst fügt Galactosyltransferase Galβ1-4 zu GlcNAc hinzu, gefolgt von der Wirkung der Fucosyltransferasen FUT1 oder FUT2, die Fucα1-2 an den Galactose-Rest anlagern und so das H-Epitop aus Lactosamin-Vorläufern erzeugen. Weitere Modifikationen durch A- oder B-Transferasen führen GalNAc oder Gal ein, um die A- oder B-Antigene zu bilden. Der katabole Abbau erfolgt durch Exoglycosidasen in lysosomalen Pfaden.

Forschungsanwendungen

Das Blutgruppen-H-Tetrasaccharid spielt eine zentrale Rolle in mehreren Forschungsgebieten. Strukturelle Studien von Glycosyltransferasen in Komplex mit H-Antigen-Analoga geben Einblicke in die Erkennung von Donorsubstraten und katalytische Spezifität und erleichtern die Entwicklung von Inhibitoren gegen blutgruppenassoziierte Pathogene. Das Molekül ist entscheidend für die Untersuchung von Norovirus-Bindungspräferenzen, die Analyse glykaner Konformationsdynamik durch NMR sowie die Entwicklung von Glykan-Microarrays zur Profilierungs von Antikörperspezifität in der Transfusionsmedizin. Synthetische Derivate unterstützen auch Studien zu Ley- und A-Pentasaccharid-Erweiterungen, insbesondere im Kontext der Krebs-Glykobiologie.

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