Laktose

Laktose

Laktose ist der Haupt-Kohlenhydratbestandteil der Milch von Säugetieren und stellt eine entscheidende Nährstoffquelle für die Neugeborenenentwicklung dar. Sie wird ausschließlich von den Epithelzellen der Milchdrüse synthetisiert und spielt nicht nur eine zentrale Rolle bei der Energieversorgung, sondern reguliert auch die Osmolarität der Milch und bestimmt damit das Milchvolumen. Ihr Vorhandensein ist für das Überleben, Wachstum und die physiologische Reifung neugeborener Säugetiere unerlässlich.

Chemische Struktur und Eigenschaften

Laktose ist ein Disaccharid aus β-D-Galactose und α- oder β-D-Glucose, die über eine β-1,4-glykosidische Bindung verknüpft sind. Diese Struktur bestimmt mehrere wichtige physikochemische Eigenschaften:

  • Löslichkeit: Laktose ist deutlich weniger löslich als andere Zucker wie Saccharose, was ihr Kristallisationsverhalten in Milchprodukten beeinflusst.
  • Süßkraft: Sie ist wesentlich weniger süß als Glucose oder Saccharose und trägt zum milden Geschmack der Milch bei.
  • Reduzierender Zucker: Als reduzierender Zucker nimmt Laktose an Maillard-Reaktionen teil und beeinflusst Geschmack und Farbe verarbeiteter Milchprodukte.
  • Chiralität und Mutarotation: Die Glucose-Komponente kann zwischen α- und β-Anomer wechseln, was Reaktivität und Verdaulichkeit beeinflusst.

Biosynthese

Die Laktosebiosynthese findet ausschließlich im Golgi-Apparat der Milchdrüsen-Epithelzellen während der Laktation statt. Das verantwortliche Enzym, die Laktosesynthase, ist ein Komplex aus β1,4-Galactosyltransferase und α-Lactalbumin. Das durch Prolaktin induzierte α-Lactalbumin verändert die Substratspezifität des Enzyms, sodass bevorzugt Laktose gebildet wird.

Der Syntheseprozess nutzt UDP-Galactose und Glucose als Substrate. Die Laktosekonzentration in der Milch beeinflusst direkt den osmotischen Druck und sichert so ausreichende Flüssigkeitsmenge und Volumen für das Neugeborene. Die Regulation erfolgt über hormonelle Signale, Substratverfügbarkeit und den physiologischen Zustand der Milchdrüse.

Verdauung und Stoffwechsel

Die Laktoseverdauung erfolgt hauptsächlich im Dünndarm durch das Bürstensaumenzym Laktase-Phlorizin-Hydrolase, das sie in Glucose und Galactose spaltet. Diese Monosaccharide werden resorbiert und verstoffwechselt:

  • Glucose tritt in die Glykolyse ein oder wird als Glykogen gespeichert.
  • Galactose wird über den Leloir-Weg in Glucose-1-phosphat umgewandelt und trägt zum Energiestoffwechsel bei.

Die Laktaseexpression variiert zwischen Populationen und nimmt bei den meisten Säugetieren nach dem Abstillen ab, was zu Laktosemaldigestion oder -intoleranz führt. Genetische Varianten im Laktase-Gen (LCT) und regulatorischen Elementen bestimmen die Laktasepersistenz bei manchen menschlichen Populationen, insbesondere in Europa und Teilen Afrikas.

Physiologische und ernährungsphysiologische Bedeutung

Neben der Energieversorgung erfüllt Laktose weitere wichtige biologische Funktionen:

  • Kalzium- und Mineralstoffaufnahme: Die Fermentation von Laktose senkt den pH-Wert im Dickdarm und verbessert die Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen.
  • Darmmikrobiota-Entwicklung: Bei Säuglingen fördern Laktose-Abbauprodukte das Wachstum nützlicher Bakterien wie Bifidobacterium und Lactobacillus.
  • Gehirnentwicklung: Galactose trägt zur Synthese von Cerebrosiden und Gangliosiden bei, die für neuronales Wachstum und Myelinisierung essenziell sind.
  • Osmotische Regulation: Laktose bestimmt die Osmolarität der Milch und sorgt für ein stabiles Flüssigkeitsgleichgewicht.

 

Laktose ist weit mehr als ein einfacher Nahrungszucker. Durch ihre spezifische Biosynthese, strukturellen Merkmale und essenziellen Stoffwechselfunktionen spielt sie eine zentrale Rolle in der Säugetierernährung, Physiologie und Entwicklung. Ihre biologische Bedeutung reicht von der Gesundheit Neugeborener über die Reifung der Mikrobiota bis hin zur Energiebilanz und unterstreicht ihre Wichtigkeit in biologischen wie technologischen Bereichen.

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