Xyloglucan (XyG) ist das vorherrschende Hemicellulose in den primären Zellwänden von Eudikotyledonen und nicht-graminoiden Monokotyledonen. Es macht bis zu 20–30 % des Trockengewichts aus und bildet ein wichtiges Netzwerk mit Cellulosemikrofibrillen. Sein celluloseähnliches β-(1→4)-verknüpftes D-Glucan-Rückgrat, typischerweise 300–3.000 Glucoseeinheiten lang, ist an etwa 50–75 % der 6-Positionen mit α-D-Xylosyl-Resten substituiert, von denen einige durch β-D-Galactosyl- oder α-L-Fucosyl-Seitenketten weiter verlängert sind.
Molekulare Struktur
Das Glucan-Rückgrat ähnelt Cellulose und ermöglicht starke nicht-kovalente Wechselwirkungen über Wasserstoffbrückenbindungen, während Xylose-Seitenketten (häufig als XXXG-, XXLG-, XLXG-Motive bezeichnet) sterisch eine enge Aggregation der Mikrofibrillen verhindern und so die Wandflexibilität verleihen. Acetylierung und Fucosylierung variieren je nach Art und Gewebe, wobei XyG aus Tamarindensamen hochgradig uniforme Strukturen für industrielle Anwendungen aufweist. Diese Substitutionen erzeugen eine bandartige Konformation, die sich zwischen den Mikrofibrillen verwebt.
Strukturelle Rolle und Dynamik
XyG vernetzt Cellulosemikrofibrillen und bildet ein tragendes Netzwerk, das die Zellexpansion unterstützt und die Wandintegrität während des Wachstums aufrechterhält. Xyloglucan-endo-Transglycosylasen (XETs) spalten und religieren XyG-Ketten und ermöglichen so eine Wandlockerung durch Creep-Mechanismen. Diese dynamische Umgestaltung integriert sich mit der Pektinmatrix zur Porositätskontrolle und Verteidigung.
Biosynthese und Anwendungen
XyG wird durch Cellulose-Synthase-ähnliche C (CSLC)-Enzyme für das Glucan-Rückgrat synthetisiert, gefolgt von Xylosyltransferasen (XXTs) und Galactosyl-/Fucosyltransferasen im Golgi-Apparat. Es wird über Vesikel in den Apoplasten sezerniert. Arabidopsis-Quintuple-cslc-Mutanten weisen kein nachweisbares XyG auf, wachsen jedoch normal, was auf kompensatorische Mechanismen hinweist. Industriell dient XyG als Verdickungsmittel in Lebensmitteln, Pharmazeutika und Biomaterial-Scaffolds aufgrund seiner Viskosität und Biokompatibilität.

